5 Fehler bei chronischen Schmerzen: Warum du Schmerzen erst verstehen musst, bevor du sie loswirst
Stell dir vor: Du bist leidenschaftlicher CrossFitter oder Läufer, doch ein hartnäckiger Schmerz in der Achillessehne oder Schulter begleitet dich seit Monaten. Trotz Pause und Therapien taucht der Schmerz immer wieder auf – frustrierend, oder? Viele sportlich aktive Menschen kämpfen mit chronischen Sehnenschmerzen, selbst wenn im MRT keine eindeutigen Schäden sichtbar sind. Doch Schmerz bedeutet nicht automatisch, dass etwas kaputt ist. In diesem Artikel wirst du verstehen, warum Schmerz auch ohne strukturelle Schäden bestehen kann, welche Rolle dein Gehirn dabei spielt – Stichwort zentrale Sensibilisierung – und welche Lösungsstrategien im Training, Alltag und Denken wirklich helfen. So bekommst du die Kontrolle zurück und kannst trotz Schmerzen wieder durchstarten.
Was du als Sportler wirklich über Schmerz wissen musst
Schmerz ist zunächst nichts Böses, sondern ein Alarmsignal des Körpers. Akuter Schmerz warnt dich vor weiteren Verletzungen – ein Schutzmechanismus. Missverständnis Nr. 1: „Schmerz = Schaden.“ In Wahrheit kann chronischer Schmerz bestehen, ohne dass noch ein Gewebeschaden vorliegt. Dein Knie kann also weh tun, obwohl Bänder und Knorpel längst verheilt oder intakt sind.
Studien zeigen, dass chronische Schmerzen oft entstehen, weil das Gehirn weiterhin Schmerzsignale sendet, obwohl die ursprüngliche Verletzung abgeheilt ist. Das Nervensystem hat sozusagen „gelernt“, Schmerz zu produzieren – ein Fehlalarm des Körpers. Dieser Vorgang wird als nociplastischer Schmerz oder zentrale Sensibilisierung bezeichnet: Die Schmerzverarbeitung in Rückenmark und Gehirn wird immer empfindlicher, und selbst normale Reize können Schmerzen auslösen.
Missverständnis Nr. 2: „Wenn nichts im MRT zu sehen ist, ist der Schmerz nicht real.“ Falsch! Chronische Schmerzen haben meist keine sinnvolle Schutzfunktion mehr und können anhalten, ohne dass ein aktiver Schaden im Bild erkennbar ist. Das heißt nicht, dass du dir den Schmerz einbildest. Er entsteht durch Veränderungen im Nervensystem – real und spürbar, aber eben nicht immer durch eine frische Verletzung.
Missverständnis Nr. 3: „Schmerz steckt nur im Kopf.“ Auch das greift zu kurz. Ja, das Gehirn spielt bei der Entstehung von Schmerz immer eine Rolle – es filtert und bewertet Signale aus dem Körper. Faktoren wie Stress, Angst und Stimmung können die Schmerz-Wahrnehmung deutlich verstärken. Doch das heißt nicht, dass der Schmerz psychisch oder weniger real ist. Vielmehr bedeutet es, dass wir an mehreren Stellschrauben drehen können, um chronische Schmerzen zu lindern: am Gewebe und am Nervensystem.
Ursachen & Risikofaktoren
- Chronische Überlastung
Tendinopathien (Sehnenleiden) entstehen häufig durch wiederholte Überbelastungen. Klassische Beispiele: viele Laufkilometer ohne ausreichende Pausen oder tägliches CrossFit ohne Deload. Typisch betroffen sind die Achillessehne (Läufer), Patellasehne (Sprunglast), Schulter- oder Ellenbogenstrukturen (CrossFit). - Stress
Psychischer Stress führt zur Ausschüttung von Cortisol, erhöht die Muskelspannung und reduziert die Regenerationsfähigkeit. Studien zeigen: Angst, hoher Stress und frühere Traumata erhöhen die Schmerzempfindlichkeit. - Schlafmangel
Zu wenig Tiefschlaf hemmt die Ausschüttung regenerativer Hormone. Nach wenigen Tagen Schlafmangel sinkt die Schmerztoleranz deutlich. Die Verletzungsanfälligkeit steigt nachweislich. - Bewegungsverhalten & Technik
Bewegungsqualität zählt. Einseitige Belastungen, schlechte Technik oder Dysbalancen führen zu chronischen Mikrotraumen – vor allem bei explosiven oder repetitiven Sportarten.
Typische Symptome
- Anlaufschmerz (morgens, nach Sitzen)
- Belastungsschmerz (z. B. bei Sprüngen, Laufen, schwerem Heben)
- Druckschmerz entlang der Sehne
- Steifigkeit oder Spannungsgefühl
- Häufig: Schwellung, Verdickung, lokale Erwärmung
- Rückkehr der Schmerzen nach Pausen oder Steigerung der Belastung
Diagnostik wie ein Profi
Eine fundierte Diagnostik betrachtet nicht nur die Struktur, sondern auch das Verhalten, Umfeld und Stresslevel.
- Klinisch-funktionelle Tests: Beweglichkeit, Kraft, Sprungdiagnostik, funktionelle Belastung
- Bildgebung: MRT oder Ultraschall nur bei spezifischen Fragen
- Schmerzverlauf: Reaktion nach Belastung (24–48 h)
- Psychoemotionale Komponente: Schlaf, Stress, Angst, Umgang mit Schmerzen
Achtung: Schmerzen ohne auffälligen MRT-Befund sind real. Und: Strukturelle Veränderungen im MRT sind häufig auch bei schmerzfreien Sportlern zu finden.
Reha & Behandlung: Schritt für Schritt
- Frühphase (Schmerzreduktion)
- Isometrische Übungen (30–45 Sek. Halten, z. B. Wadenheben auf beiden Beinen)
- Belastung anpassen statt komplett pausieren
- Kühlen, ggf. unterstützende Maßnahmen wie Taping oder manuelle Therapie
- Aufbauphase (Kraft & Belastbarkeit)
- Exzentrisches Training (z. B. Alfredson-Protokoll für Achillessehne)
- Heavy Slow Resistance (z. B. Leg Extension oder langsame Squats)
- Technikoptimierung, Verbesserung der Muskeldysbalancen
- Mentale Komponente
- Schmerzaufklärung: Schmerz ≠ Schaden
- Umgang mit Frustration, Rückfällen, Unsicherheit
- Entspannungsverfahren (Atemübungen, progressive Muskelentspannung, Meditation)
- Zielsetzung & Visualisierung von Bewegung
Diese Strategien helfen wirklich
- Progressives Krafttraining
- Regelmäßige Belastung mit angepasster Intensität
- Bewegung trotz Schmerz – innerhalb der Toleranz
- Vermeidung kompletter Ruhigstellung
- Bewusste Regeneration: Schlaf, Ernährung, mentaler Ausgleich
- Mentale Begleitung bei Angst, Frustration, Rückfällen
Häufige Fehler im Umgang mit Schmerzen
- Komplette Inaktivität über Wochen
- Fokus nur auf passive Maßnahmen
- Ständiger Übungswechsel ohne Struktur
- Fehlendes Verständnis über Schmerzentstehung
- Zu schnelles Belastungs-Comeback nach kurzer Besserung
Prävention & Selbstwirksamkeit
- Training planen, Belastung steuern
- Frühwarnzeichen beachten
- Stressmanagement & Schlaf priorisieren
- Technik regelmäßig analysieren
- Langfristig Denken: Reha ist Training – Training ist Reha
- Vertraue deinem Körper – er ist anpassungsfähig
Fazit
Wenn du Schmerz verstehst, kannst du ihn verändern. Dein Nervensystem ist lernfähig. Du brauchst keine Angst vor Belastung zu haben – sondern Struktur, Geduld und das richtige Maß. Nutze dein Wissen, um smarter zu trainieren, aktiver zu regenerieren und dich mental zu stärken. Der Schmerz gehört zu deinem Weg – aber er muss nicht das Ziel sein.
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-Schmerz verstehen bei chronischen Sehnenschmerzen
-Schmerz verstehen – Erfahre, warum chronische Sehnenschmerzen nicht immer strukturelle Ursachen haben und wie du gezielt aus dem Schmerz herauskommst.
Quellenverzeichnis:
- academy-dk.de: „Schmerz verstehen – Fünf wegweisende Artikel im Überblick“
- Cook et al. (2022): „Tendinopathy rehabilitation: an evidence-based approach“
- Gifford L. (1998): „Pain, the tissues and the nervous system“
- Moseley & Butler (2015): „Explain Pain Supercharged“
- Rio et al. (2015): „Isometric exercise induces analgesia for patellar tendinopathy“
- van Wilgen et al. (2012): „Pain neuroscience education improves outcomes in chronic musculoskeletal pain“
- Bialosky et al. (2009): „Spinal manipulative therapy and pain sensitivity“
- Smeets et al. (2011): „Understanding chronic pain from a biopsychosocial perspective“
- Mallows et al. (2020): „Beliefs about back pain and pain-related fear“
- de Vos et al. (2007): „Tendon structure after conservative treatment“
- Sleep and Pain Research: Finan, Goodin, Smith (2013)